Wenn du mehr Infos zum Hess River möchtest, klicke den Link hier an. Das ist eine super gemachte Webseite von meinem Freund Robert.
roberts seite

In der schmalen Rinne ist das Boot kaum mehr auf Linie zu halten. Nur 800 Meter vor der Mündung in den Hess River rutschen wir seitlich über einen scharfkantigen Stein und schlitzen einen der Schläuche auf. Sofort nutzen wir einen anderen Fels durch Auffahren als Bremse. Der kaputte Schlauch muss repariert werden.

 

Doch wir befinden uns auf der falschen Seite des Keele Creeks, alles leicht überflutet und nass hier. Das andere, trockene Ufer befindet sich nur wenige Meter entfernt. Dazwischen aber braust der Bach. Mit einem Seil werfen wir einen Stein als Anker auf die andere Seite. Endlich verkeilt sich der Stein. Das nun gespannte Seil erleichtert den Entschluss für den Sprung in die Fluten. Wenig später brennt in unserem improvisierten Lager schon das Feuerchen und erwärmt den Topf mit dem Wasser für die duftenden Spaghetti mit Tomatensauce.

So vergehen die Tage mit Wanderungen auf die umliegenden Gipfel und Grate, und dem Geniessen der prächtigen Landschaft. Als wir schliesslich aufbrechen müssen, trauert jeder ein wenig über den Verlust dieses Paradieses.

Der Keele Creek, der den Keele Lake mit dem Hess River verbindet, testet unsere Wildwassertauglichkeit. Zwar gibt er uns in den ersten Kilometern eine gemächliche Einführung, nach einem kleinen See auf halber Strecke erwartet uns aber ein weisses Band mit fast durchgehendem Wildwasser 3 und gelegentlichen 4er Stellen.
keele lake






                       Keele Lake Gegend






rund um den keele peak
Da es in diesem Winter sehr viel Schnee im Yukon gab und zudem fast jeden Tag gegen Abend heftige Niederschläge niedergehen, befindet sich der Pegel der Flüsse und Bäche auf einem selten hohen Stand. Deshalb gibt es neben dem Bach auch keinen Strand oder Kiesbank, oder auch nur flacheres Wasser um das Boot treideln zu können. Die Strömung würde uns sofort mitreissen. Der Bach reicht bis ins Ufergehölz. Entweder wir befahren ihn, oder wir tragen alles die 5 km durch das nur sehr mühsam durchdringliche Erlengestrüpp bis zum Hess River. Der Keele Creek selbst braust und schäumt in steilen Kaskaden über runde, aber auch scharfkantige Felsbrocken Richtung Hess River. Nur wenige Kehrwässer erlauben eine Unterbrechung der rasenden Fahrt. Das Erkunden der Strecke ist mühsam. Doch wir finden eine mögliche Linie - sofern wir imstande sind, sie in dem tobenden Bach auch einzuhalten. Wir entscheiden uns für die Befahrung. Als gefährlichste Stelle wartet eine 90 Grad Ecke nach links auf uns. Die müssen wir meistern, um zu vermeiden, unter einen Holzverhau gespült zu werden, dort wo der Bach geradeaus weiter will. Es gelingt.

Die Landschaft um unser Camp versucht das harmonische Gleichgewicht wieder herzustellen. Weich gerundete Kuppen und Bergrücken, flache Strände und sich in der Sonne wiegende Pappeln beruhigen das Auge. Jedes Mal, wenn wir von unseren Bergtouren der nächsten Tage zurückkehren, werde ich diesen lieblichen Empfang zu schätzen wissen. Nach dem Wandern durch die wilde Hochgebirgslandschaft, vornehmlich aus Eis und Fels bestehend, empfinde ich es wie einen Willkommensgruss des Lebens, am gurgelnden Bächlein, der unser Lager durchfliesst, zu sitzen, und den Abend ausklingen zu lassen. Weit kann der Blick über diese Perle von einem See schweifen, um in den kümmerlichen Fichten am Ufer nach dem Fischadler Ausschau zu halten, der uns bei der Ankunft empfangen hatte. Oder auf den Biber zu warten, der allabendlich vorbeischwimmt und seinen Anspruch auf dieses Revier mit kräftigen Schlägen seines flachen Schwanzes auf das Wasser betont. Auch ein Fischotter teilt gelegentlich die Fluten, und am Strand stackst schon mal ein Karibou daher, bevor es doch lieber im Erlengebüsch verschwindet.

keele creek

Keele Creek
    keele lake kochen             keele lake ausfluss

                 Kochen am Keele Lake                                                                   Abfluss Keele Lake

Hess River              Gletscherbrüche und Wildwasserschaum

 

 

Das laute Knattern der Cessna verschwindet hinter dem Berg im Süden und der Keele Lake liegt ruhig und malerisch wie ein Postkartensee vor uns. Der feine Gletscherschliff, den der Keele Creek direkt von den Eiskappen auf dem Keele Peak in den See verfrachtet, gibt ihm eine leicht grünlich milchige Färbung. Dort hinten drohen nicht nur die Gletscher mit ihren Spalten, auch die Felswände fallen bizarr und zerrissen steil in den See.
fischen

Fischen am Hess River


bergsteigen am Hess river

Bergsteigen entlang des Hess Rivers


roughe range

Sicht zur Roughe Range


camp am hess river

Camp am Hess River

Der 10 cm lange Riss im Schlauch muss zuerst genäht werden, erst dann wird die gesamte Stelle überklebt. Noch am Abend erkunden wir den Abschnitt bis zur Mündung in den Hess River. Die letzten 400 Meter müssen wir auf alle Fälle umtragen, und so entscheiden wir uns für die Portage direkt von unserem Camp aus. Zwei Mal geht jeder von uns Dreien die Strecke. Beim zweiten Gang nehmen Robert und ich das Raft und Peter mit der Kraxe den letzten Teil der Lebensmittel.

 

Die Portage ist mühsam, kein Steig, nur tiefe Moospolster, Sumpf und glitschige Wurzeln, das Erlengestrüpp greift nach den Beinen, die Bäume stechen mit ihren Ästen nach dem Boot. Das Raft selber gross und unhandlich, die Last schwer auf den Schultern und dem Kopf. Aber die Sonne lacht und irgendwann öffnet sich das dichte Unterholz. Wir stehen am Hess River.

 

Auch der hat Hochwasser. Nur 300 Meter unterhalb der Mündung des Keele Creeks finden wir eine einladende Bucht, direkt bei einem ideal gelegenen Fisch-Kehrwasser. Lecker munden die arktischen Eschen am Abend!

 

 

Am nächsten Tag erklimmen wir wieder einen Gipfel. Je tiefer wir am Hess River kommen, desto mühsamer wird das Erreichen der alpinen Matten. Immer mehr Höhenmeter Wald und Erlendickicht müssen wir dafür überwinden. Dennoch geben vor allem die vielen grossartigen Wanderungen uns die Möglichkeit, die eng begrenzte Perspektive direkt am Fluss zu erweitern. Es ist faszinierend, wie weit wir von den Gipfeln in vollkommen unbewohntes Land blicken können. In Sekunden gelangt das Auge an Orte, an denen wir uns vor einer Woche noch über Grate zu fernen Zielen bewegten, und in der anderen Richtung bestaunen wir weite Täler, mit Abschnitten des Flusses, die wir erst in Tagen erreichen werden.

 

Immer wieder unterbrechen Stromschnellen den Fluss. Doch nach dem Keele Creek scheint uns alles meisterbar. Adler, Möwen, Enten, Schwalben, Raben und Biber begleiten uns.

 

Eine halbe Tagesfahrt vor der Mündung des Hess Rivers in den Steward River fahren wir erneut in eine Stromschnelle ein. Zwei Prallwände verbieten eine gerade Durchfahrt und verwandeln den Fluss in einen brodelnden Hexenkessel. Adrenalin pur!

 

Wir sind gut drauf, und nach Erkunden des zweiten Teiles dieser Stromschnelle mit erneuter Riesenwalze, fahren wir da auch noch durch. Was soll uns noch stoppen? Vorne sehen nur noch die Köpfe aus dem Schaum hervor.

 

Am Steward River, den wir bald darauf erreichen, wird die Landschaft flacher, mehr Kies- und Sandbänke erleichtern die Lagerplatzsuche. Eine Elchkuh mit ihrem wuscheligen Kalb flüchtet erst, als wir auf fast 10 Meter an sie herangetrieben sind.

 

Die beeindruckenden Fraser Falls umtragen wir und nun gibt uns der Fluss die Gelegenheit, unser Abenteuer gemächlich ausklingen zu lassen. Meist treiben wir in der Sonne durch liebliche Flussauen, bei Gegenwind wird etwas gepaddelt.

 

So erreichen wir, drei Wochen nach dem Start, die Zivilisation. Keiner von uns hat sie vermisst.

 

 

 

 

 

gewitterstimmung am hess river

 

Gewitterstimmung am Hess River