Snake River - Yukon

Am Tag unseres Fluges zu den Duo Lakes, etwas über einen Kilometer vom Snake River entfernt, sah es zunächst nach einer Verzögerung aus. Die ganze Nacht hatte es geregnet und die Wolken hingen tief in den Bergen um Whitehorse. Trotzdem kam Gerd, unser Buschpilot, mit leuchtenden Augen und guten Nachrichten: An den Duo Lakes dürfte das Wetter besser sein. 2 Stunden später saßen wir ins seinem kleinen Flugzeug und zwängten uns zwischen Wolken oben und den fast greifbaren Fichten unten, Richtung Norden. Wir genossen die Sicht über die hügelige Landschaft, über die Seen, in denen einmal sogar ein prächtiger Elch stand, und kristallklare Flüsse, die uns wie silbrige Bänder immer tiefer in die Täler der Mackenzie Mountains hinein begleiteten.

Dann war da plötzlich ein See. Um ihn herum kein Wald, nur Erlensträucher und eingerahmt war er von majestätischen Bergen, deren Nordwände abweisend verschneit zum See blickten. Es war "unser" See und als Gerd mit dem roten Flugzeug verschwunden war, zog uns die hier herrschende Ruhe in ihren Bann. Kein Gurgeln, oder das ferne Rauschen eines Baches störte die Stille, nur selten das verhaltene, fast gehemmte Piepen eines der wenigen Vögel am See.


Wir planten einige Tage am See zu bleiben und auf die umliegenden Berge zu steigen. Nirgendwo sonst entlang des Flusses würde es so einfach sein, an die unbewachsenen Berghänge heranzukommen, ohne vorher einen energieraubenden Kampf gegen die Erlen- und Weidenstauden führen zu müssen, die weiter unten im Tal dicht an dicht wuchsen.


Es waren schöne Tage und es gelang uns, auch einige anspruchsvolle Touren zu meistern. Vor allem der Höchste der Berge in der näheren Umgebung reizte mich. Über teils vereiste und verschneite Rinnen, bröckelige Felspassagen und Übersteigen einer hohen Schneewächte am ausgesetzten Grat, gelang die Besteigung dieses Gipfels von der Südseite her. Die schroffe, felsige Nordwand, noch tief mit Winterschnee bedeckt, würde uns fast 2 Wochen lang als Landmarke auf dem Fluss dienen, und uns ein Gefühl für die zurückgelegte Distanz geben.


Die Portage vom See zum Fluss brachte uns in eine andere Welt, nicht mehr die Stille des Sees herrschte hier, sondern das Rauschen des Flusses, nicht mehr Bewegungslosigkeit der Landschaft regierte, sondern Veränderung. Wir waren zu Reisenden geworden. Nach dem Marsch durch den Sumpf, durch den wir all unser Gepäck zum Fluss tragen mussten, war unser Weg und unsere Geschwindigkeit dem Lauf des Wassers überlassen. Bootstage wechselten mit Bergtagen, ständig boten sich gute Möglichkeiten für wunderschöne Touren auf einsame Gipfel oder in enge Täler, wir besuchten die blau-grünen Gletscher der Mac Donald Range und unternahmen aussichtsreiche Gratwanderungen.

Sowohl am Fluss, als auch in den Bergen hatten wir immer wieder Glück bei Tierbeobachtungen. Zottelige Karibous näherten sich dem Lager, und wachsame Biber verteidigten ihr Reich mit lautem Schlagen ihres flossenartigen Schwanzes. Majestätisch hingen die Steinadler hoch am blauen Himmel und so manche Möwe versuchte uns "bombenwerfend" von ihrer Kiesbank fernzuhalten. Erdhörnchen erfreuten uns mit ihren schrillen Warnpfiffen. Besonders dankbar waren wir den vielen weißen Dallschafen, die behände an den steilen Hängen entlang des Flusses herumkletterten. Bei so mancher Wanderung waren wir froh, die von diesen Verwandten der Steinböcke getretenen Pfade durch die steilen Schutthänge nutzen zu dürfen.

Da der Fluss kristallklar durch sein von den eiszeitlichen Gletschern ausgehobeltes Tal floss, hatten wir auch Glück beim Fischen. Über 20 arktische Eschen und eine Seeforelle ergänzten unseren Speiseplan. Das Wetter vergönnte uns viel Sonne und die geringen technischen Schwierigkeiten des Wildwassers erlaubten Muse, die Landschaft zu bewundern. Viele kleinere Kiesbankschwälle, die zwar etwas spritzten, aber unproblematisch fahrbar waren, ließen die Fahrt nicht langweilig werden. Die einzige wildere Stelle erwartete uns in einem kleinen Canyon, wo sich der gesamte Fluss durch eine nur etwa 7 Meter breite Passage presst. Bei mittlerem Wasserstand trafen wir auf starke Turbulenzen, die aber kein Problem darstellten - und trotzdem für etwas Bewegung auf den Fotos sorgten.

Am Tor in die Ebene bekamen wir den ersten heftigen Regen ab. Eine Nacht und fast den gesamten Tag goss es in Strömen. Ein kleiner Bach, nahe unserem Camp, schwoll zu einem wilden Ungetüm heran, riss Bäume und zentnerschwere Felsbrocken mit sich. Nun stieg auch der Snake River heftig an und wir entschlossen uns, die starke Strömung zu nutzten. In Riesenetappen, getrieben von der kaffeebraunen Flut und ohne große Anstrengung, näherten wir uns dem Peel River. Das umgebende Hügelland bot keine wandrerischen Verlockungen, so dass wir uns zu den vielen dahintreibenden Baumstämmen gesellten, die alle in die gleiche Richtung strebten wie wir selbst. Da sich auch der Nordwind ruhig verhielt, gelang es uns, in wenigen Tagen den Polarkreis zu überqueren und das abgestellte Fahrzeug in Fort Mac Person zu erreichen.

Blaubeeren, Snake River
Snake river, Elch
Snake river, Entspannen
Snake river, Lagerfeuer